Nächtlicher Versuch der Rettung

Eine kleine Geschichte von gestern Nacht. Sie könnte genau so jeden Tag, jedem passieren, ohne daß überhaupt jemand davon Notiz nehmen würde. Und doch stimmte sie mich nachdenklich. Es war gestern Abend um halb neun. Eine Bekannte rief mich an, ihre Schwester hätte zwei junge Vögel gefunden und war damit überfordert. Eine Rückkehr ins schützend Nest fiel aus, keiner wußte, wo sie herkamen. Wir machten uns also auf den Weg und schauten uns die beiden Neugeborenen mal aus der Nähe an. Eines davon war bereits tot. Das zweite wurde von einem Hitzepack – ich merkte an, daß Wärme wichtig sei – gewärmt. Es war ein kleines Vögelchen, noch ohne Federkleid, das ganz angestrengt atmete. So manch einem wäre das wahrscheinlich egal. Mir tat das kleine Bündel leid. Wir beschlossen in die Tierklinik zu fahren. Ja, wegen eines kleinen, neugeborenen Vogels! Dort angekommen, ließ man uns zuerst gut zwei Stunden warten. Ein Hund wurde gerade geschert. Man gab uns klar zu verstehen, daß es gerade niemand interessiert, ob das kleine Vögelchen mit dem Überleben kämpft. Dann kam eine junge Tierärztin, die uns keine guten Aussichten machte. Sie sagte uns auch, wenigstens ehrlich, daß man eigentlich keine Zeit hätte, sich um das kleine Bündel zu kümmern. Natürlich fallen tagtäglich kleine Vögelchen aus ihren Nestern. Natürlich fressen tagtäglich Katzen selbige. Und natürlich ist ein kleines Vögelchen kein reinrassiger Hund mit Stammbaum. Und schon recht ist es kein Haustier, das man abends streichelt und mit „Strolchi“ zu rufen pflegt. Aber hat es damit weniger Recht auf Leben? Mir mag es einfach nicht einleuchten, wieso sich der Mensch anmaßt, Herr über die Schöpfung zu spielen. Leben in Klassen einzuteilen. Vielleicht gibt es da draußen ja jemanden, den das ebenso nachdenklich stimmt.

23.4.11 01:16

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